Kurzarbeit auch bei der Kirche?

Die Kirchengewerkschaft Niedersachsen erhält täglich mehrere Anfragen dazu, ob auch im kirchlichen Bereich Kurzarbeit eingeführt werden könnte. Es gibt sogar das Gerücht, dass bereits an diesem Wochenende die Arbeits- und Dienstrechtliche Kommissionen (ADK) im Rahmen einer Videokonferenz hierzu eine Entscheidung treffen könnte.

Zwischen der Arbeitgeberseite und der Arbeitnehmerseite gibt es eine Übereinstimmung darüber, dass Dienstvereinbarungen über Kurzarbeit zwischen Dienststellenleitungen und Mitarbeitervertretungen erst dann möglich sind, wenn hierüber eine Regelung in der Dienstvertragsordnung in Kraft gesetzt worden ist. Mit anderen Worten: Zurzeit ist jede Form von Kurzarbeit im kirchlichen Bereich rechtlich (noch) unmöglich.

Fraglich ist zudem, ob im kirchlichen Bereich überhaupt Kurzarbeit notwendig ist. Aus unserer Sicht stellt sich die Finanzlage der drei Landeskirchen, die im Bereich der Konföderation evangelischer Kirchen in Niedersachsen eine gemeinsame ADK eingerichtet haben, noch vergleichsweise komfortabel dar. Noch fließt die Kirchensteuer weiter und auch die erheblichen staatlichen Zuwendungen, zum Beispiel für die Kitas sind nicht infrage gestellt worden. Eine spezielle Situation wie im Bereich von Bildungsstätten und Beherbergungseinrichtungen könnte aber vorliegen.

Bisher liegen aber noch keine begründeten Anträge seitens der Arbeitgeberseite vor. Also kann auch noch keine Prüfung über die Notwendigkeit von Kurzarbeit in bestimmten Bereichen erfolgen. Kurzarbeit wäre auch unter „Corona“ nur temporär akzeptabel. Zu fragen ist hier gleichzeitig auch, ob die damit einhergehenden Einschränkungen einzig den Beschäftigten dort zugemutet werden sollen. „Einer trage des anderen Last“, besonders, wenn es ein Starker ist.

In der verfassten Kirche gibt es auch schon eine Arbeitsrechtsregelung durch die zuständige Kommission im Bereich der Ev.-luth. Landeskirche Württemberg. Dort wurde am 19.03.2020 eine Regelung zur Kurzarbeit beschlossen, die Dienstvereinbarungen mit den zuständigen Mitarbeitervertretungen ermöglicht. Erleichtert wurde die Einführung der Regelung zur Kurzarbeit dadurch, dass ein verbindlicher Zuschuss zum Kurzarbeitergeld (Aufstockung) beschlossen wurde (siehe unten).

Wir rechnen in den nächsten Tagen mit einem Antrag der Arbeitgeberseite und werden damit in großer Verantwortung umgehen und uns als Sozialpartner nicht verweigern.

§ 7

Zuschuss zum Kurzarbeitergeld (Aufstockung)

(1) Diejenigen Arbeitnehmer, die von der Kurzarbeit betroffen sind, erhalten vom Arbeitgeber neben dem verkürzten Entgelt eine Aufstockung des von der Agentur für Arbeit zu erwartenden Kurzarbeitergeldes auf 80 % der Nettoentgeltdifferenz zwischen dem pauschalierten Nettoentgelt aus dem Sollentgelt und dem pauschalierten Nettoentgelt aus dem Ist-Entgelt nach § 106 SGB III.

(2) Der Zuschuss zum Kurzarbeitergeld wird zusammen mit der üblichen Entgeltauszahlung gezahlt. Dies gilt unabhängig von dem Zahlungszeitpunkt durch die Agentur für Arbeit.

(3) Bei der Lohn- und Gehaltsabrechnung werden zu zahlende Vergütungen, Kurzarbeitergeld und Zuschuss gesondert ausgewiesen.

Mehr: https://www.arbeitsagentur.de/datei/Merkblatt-8b-Kurzarbeitergeld_ba015388.pdf

Personengruppe mit erhöhtem Risiko:

Unter Beibehaltung der Vergütung können nach Absprache mit dem Arbeitgeber alle Kolleginnen und Kollegen freigestellt werden, die einer Risikogruppe angehören. Die vom Robert-Koch-Institut definierten Risikogruppen sind hier zu finden.

Die Mitarbeitervertretungen sollten darauf dringen, dass die kirchlichen Arbeitgeber ihrer Fürsorgepflicht nachkommen. Hier sollte es keine Schwierigkeiten geben, denn die verantwortungsbewusste Wahrnehmung der Fürsorgeplicht entspricht dem kirchlichen Selbstverständnis.

Coronavirus und seine arbeitsrechtlichen Auswirkungen

Den untenstehenden Beitrag haben wir mit Dank vom Gesamtausschuss der Mitarbeitervertretungen übernommen. Er beantwortet viele aktuelle arbeitsrechtliche Fragen.

Die mit der Ausbreitung des Coronavirus verbundenen staatlichen Vorgaben und Empfehlungen führen auch in unserer Landeskirche zu gravierenden Veränderungen. Kindertagesstätten und Schulen sind augenblicklich, abgesehen von einer Notbetreuung, geschlossen. Viele Beschäftigte arbeiten im Homeoffice. Andere werden von der Arbeit unter Fortzahlung des Entgeltes freigestellt. Dies führt zu Verunsicherung und wirft viele Fragen auf. In einigen Bereichen werden erste Überlegungen zur Einführung von Kurzarbeit angestellt. Beim Gesamtausschuss häufen sich entsprechende Anfragen zur Thematik.

Nachfolgend finden sich umfassende Informationen rund um Fragestellungen zu den Auswirkungen der Coronakrise auf das Arbeitsleben, welche das Rechtsanwaltsbüro Baumann-Czichon und die hannoversche Landeskirche herausgegeben haben. Besondere Beachtung schenkt das Rechtsanwaltsbüro Baumann-Czichon dabei auch Fragen der Mitbestimmung durch die Mitarbeitervertretungen.

20 arbeitsrechtliche Fragen und Antworten zu Corona (Arbeitsrecht und Kirche; Sonderausgabe vom 16. März 2020; zusammengestellt von Baumann-Czichon Rechtsanwälte und feuerhahn Rechtsanwälte)

Kurzarbeit und Coronavirus (Information Baumann-Czichon Rechtsanwälte)

Umgang mit dem Coronavirus im kirchlichen Leben (Handlungsempfehlungen der Landeskirche Hannovers)

Schokolade für die neue Synode

Im Anschluss den Einführungsgottesdienst, unter Leitung von Landesbischof Meister, verteilten Vorstandsmitglieder der Kirchengewerkschaft Niedersachsen über 100 Tafeln Merci-Schokolade. Auf dem Aufkleber war ein Hinweis auf eine Information für die kirchenleitenden Organe, die zeitnah mit Fotos von der Schokoladen-Aktion auf unsere Homepage gestellt werde. Hier die Synodalinfo herunterladen.

Unsere Aktion ist auf eine sehr freundliche Aufnahme gestoßen.

In der Info wurde das gemeinsame Interesse am Erfolg der Kirche betont und auf die Notwendigkeit der verbesserten Personalgewinnung hingewiesen. Unter „Aktuelles aus dem kirchlichen Arbeitsleben“ wurden Fragen der Kita-Förderung aus Kirchensteuermitteln, die mögliche Einführung eines Urlaubsgeldes im Volumen des Leistungsentgelts und das Thema „Keine Kündigung bei Kirchenaustritt“ angesprochen.

Fotos von Peter Fröse

Bericht über die ADK-Klausur am 15./16.1.2020 in Hildesheim

Im Wettbewerb um Fachkräfte wollen sie ganz vorne mitspielen: Die Mitglieder der Arbeits- und Dienstrechtlichen Kommission der konföderierten Kirchen in Niedersachsen (ADK) verständigten sich auf einer Klausurtagung über gemeinsame Ziele und konkrete Maßnahmen zur Gewinnung von Fachkräften für den kirchlichen Dienst. Da die ADK paritätisch von der Arbeitnehmer- und Arbeitgeberseite besetzt wird, konnten beide Interessengruppen ihre jeweiligen Überlegungen einbringen. Aufgabe der ADK ist es, die Tarife für die rund 35.000 Mitarbeitenden der konföderierten Kirchen in Niedersachsen zu beschließen und eigene tarifliche Bestimmungen für die Besonderheiten des kirchlichen Dienstes zu entwickeln.

„Zur Personalgewinnung brauchen wir attraktive Arbeitsbedingungen und eine Kultur, die die Motivation der Beschäftigten stärkt“ – lautet das gemeinsame Fazit der Tagung. Eine faire Entlohnung, verlässliche Beschäftigungsverhältnisse und eine gelingende Balance zwischen Arbeit und Privatleben sind dafür unverzichtbar, so die Mitglieder der ADK.

Konkret wird die Kommission daher über eine weitere Flexibilisierung der Arbeitszeit verhandeln, gelingende Konzepte der Personalentwicklung, auch aus dem außerkirchlichen Bereich, in den Blick nehmen und Maßnahmen entwickeln, die das evangelische Profil der Dienststellen und Einrichtungen stärken. „Unsere christlichen Werte sind eine Sinn- und Kraftquelle, die wir wie wohl kein anderer Arbeitgeber anzubieten haben“, halten die Arbeitnehmer- und Arbeitgebervertreter*innen fest. Einführungswochen und Fortbildungen zur christlichen Identität und Kultur sollen nach dem Willen der ADK-Mitglieder die Dienstgemeinschaft der kirchlichen Mitarbeiterschaft stärken.

Um den evangelischen Kirchen auf dem Arbeitsmarkt eine sichere Wettbewerbsposition zu verschaffen, wollen die Mitglieder der ADK künftig mehr als bisher eigene Impulse setzen, auch an die kirchenleitenden Organe.

Übernahme der Tarifeinigung für die Beschäftigten der Länder

Handschlag nach gelungener Tarifübernahme (links Thomas Müller, Sprecher der Arbeitnehmerseite,
rechts Kirchenoberrätin Annekatrin Herzog, Sprecherin der Arbeitgeberseite)

ADK-Beschluss vom 12.12.2019: Zum neuen Jahr wird es nach dem abgeschlossenen TV eine weitere Tariferhöhung um 3,12%, mindestens aber 90 Euro geben! Die im TV-L fest gelegte Senkung der Jahressonderzahlung auf das Tarifniveau des Jahres 2018 musste im Gegenzug hingenommen werden.

Während die Arbeitnehmerorganisationen die Wochenarbeitszeit für unantastbar erklärt haben, wollten die Kirchenleitungen bis zuletzt die Arbeitszeit auf 39,8 Wochenstunden ausweiten und dafür gleichzeitig die Jahressonderzahlung aber nur minimal anheben. Dies konnte erfolgreich abgewehrt werden! Die von den Arbeitgebern gewünschte Anhebung der Wochenarbeitszeit um 1,3 Wochenstunden wäre eine Verschlechterung von 3,37% bei den Stundenlöhnen gewesen!

Die Änderungen der DVO bei der Übernahme des TV-L sind hier zu finden:

Die Arbeitgeberseite hat deutlich gemacht, dass sie weiterhin die Ausweitung der Wochenarbeitszeit auf 39,8 Stunden anstrebt. Das bedeutet für uns, dass wir mit eurer Unterstützung auch in Zukunft hart weiterverhandeln müssen.

TV-L: Arbeitgeber wollen die 39,8 Stunden-Woche

Während die Arbeitnehmerorganisationen die Wochen-Arbeitszeit für unantastbar erklärt haben, möchten die Kirchenleitungen die Arbeitszeit sukzessive auf 39,8 Wochenstunden ausweiten und dafür gleichzeitig die Jahressonderzahlung auf das Niveau des TV-L anheben. Das bedeutet Streit! Die von den Arbeitgebern gewünschte Anhebung der Wochenarbeitszeit um 1,3 Wochenstunden ist eine Verschlechterung von 3,37%! Das werden die Beschäftigten sicher nicht kampflos hinnehmen. Mehr: Mitgliederinfo TV-L_Winter_2019_Endversion

Keine weitere Absenkung bei der bereits abgesenkten Jahressonderzahlung

Aktuelle Information zur Übernahme des TV-L Abschlusses
Jahressonderzahlung soll nach der Auffassung der Arbeitgeber trotz voller Kirchenkassen weiter abgesenkt werden! Aber nicht mit uns!

Schon jetzt sind die Beschäftigten des TV-L Bereichs gegenüber dem Kommunaltarif benachteiligt, denn dort wird besser bezahlt! Die Personal-Verwaltungen und die Mitarbeitervertretungen in den Kirchenkreisen leiden unter der gespaltenen kirchlichen Tariflandschaft, in der die eine Hälfte nach dem besseren Kommunaltarif und die andere Hälfte nach dem schlechteren Tarifvertrag der Länder bezahlt wird. So gibt es leider trotz Dienstgemeinschaft auch Beschäftigte, die sich als Mitarbeitende zweiter Klasse fühlen könnten. Das darf nicht so bleiben!

Die Kirchengewerkschaft Niedersachsen fordert deshalb: TVöD für Alle! Im TVöD wird zusätzlich eine im Durchschnitt zweiprozentige Leistungszulage gezahlt. Eine Leistungszulage lehnen wir aber ab. Sie ist nicht mit unserem gewerkschaftlichen Selbstverständnis vereinbar. Wir wollen stattdessen ein Urlaubsgeld in Höhe von 24 Prozent, zahlbar am 30. Juni jeden Jahres erreichen!